Alle Räder stehen still... Arbeit in der Kunst
Die Arbeitswelt befindet sich in einem fortwährenden Umbruch. Vorstellungen von erwerbsmäßiger Beschäftigung und die konkreten Bedingungen, unter denen gearbeitet wird, verändern sich erheblich. Karl Marx beschrieb bereits 1867 im Kapital mit dem Begriff der Entfremdung den verloren gegangenen Bezug abhängig Beschäftigter zum Produkt und Prozess ihrer Arbeit. Heute nimmt diese Entfremdung weiter zu: Robotik und die Nutzung „Künstlicher Intelligenz“ verändern unseren Begriff von Arbeit rasant.
Mit zunehmender wirtschaftlicher Dynamik verschwinden im Zeitalter der „Digitalen Revolution“ herkömmliche Berufsbilder, die unser Bild des Erwerbslebens lange geprägt haben. Auch die Einstellung zur Arbeit wird neu bewertet. Die aktuelle Diskussion um eine Work-Life-Balance setzt andere Prioritäten als das frühere Selbstverständnis des homo laborans: Viele Menschen möchten sich nicht mehr von ihrem Beruf dominieren lassen und ersehnen sich mehr Zeit für Selbsterfüllung und Familie.
Zugleich werden die Grenzen zwischen Privatem und Arbeit fließender. Home-Office und Selbständigkeit führen dazu, dass Arbeit erneut ins Private eindringt und Jobs ohne tarifliche Bindung zunehmen. Traditionelle Berufskleidung, klar definierte Berufsbilder oder ganzheitliche, handwerkliche Tätigkeiten sind deutlich auf dem Rückzug. Viele Menschen erleben sich als isoliertes Rädchen im Getriebe einer globalisierten, transnationalen Wirtschaft.
Auch Kunst zu produzieren, bedeutet in erster Linie Arbeit. Künstler:innen leben als Soloselbstständige häufig unter prekären Bedingungen, sind jedoch in der Regel weniger von „Entfremdung“ betroffen: Sie ersinnen und gestalten ihr Produkt und sind zugleich für dessen Vermarktung und Bewerbung verantwortlich.
Die Ausstellung im Schloss Britz beschäftigt sich anhand vorwiegend künstlerischer Arbeiten mit der Darstellung von Arbeit – von der Gründerzeit bis in unsere Gegenwart. Historische Bezüge auf (post-)sozialistische Vorstellungen von Arbeit treffen dabei auf Untersuchungen heutiger Arbeitsbedingungen und neuer Orte der Arbeitswelt 4.0.
Künstler:innen:
Ulrike Dornis, Kathrin Eissing, Philipp Franck, Ruthild Hahne, Fabian Heublein, Sibylle Hofter, Gabriela Jolowicz, Käthe Kollwitz, Jan Kummer, Rosa Loy, Irma Markulin, Roswitha Maul, Friedrich Overbeck, Lilla von Puttkamer
Kuratierung: Ulrike Dornis, Rebekka Liebmann, Dr. Martin Steffens
Die Begleitpublikation zur Ausstellung wird ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung der Freunde und Förderer Schloss Britz e. V.
Begleitend zur Ausstellung wird ein abwechslungsreiches Programm mit Führungen, Konzerten, Lesungen und einem Künstler:innengespräch angeboten.
Laufzeit:
07. November 2026 – 14. Februar 2027
Ort:
Schloss Britz
Alt-Britz 73
12359 Berlin