Venedig sehen und …

Die Ausstellung im Schloss Britz zeichnet anhand ausgewählter Exponate des späten
19. Jahrhunderts sowie zeitgenössischer Positionen die Entstehung und Wandlung eines universellen Venedigbildes nach, das zwischen romantischem Traumort und touristischem Overkill changiert.
Venedig steht synonym für drohenden Verfall. Spätestens seit dem Niedergang der Republik und der 1797 erfolgten Annexion durch Österreich-Ungarn trat ein massiver wirtschaftlicher Niedergang ein. Deshalb wirkte Venedig trotz seiner einzigartigen Bausubstanz, Geschichte und zahlloser emotionaler „Zuschreibungen“ immer wieder als Projektionsfläche für wehmütige, kulturpessimistische Stimmungen.

Aktuell droht Venedig immer noch oder auch wieder einmal der Untergang. Diesmal verursacht durch einen überbordenden, globalisierten Tourismus, tiefgreifende
Gentrifizierung und den faktischen Anstieg des Meeresspiegels. Im Diskurs um Nachhaltigkeit und sanften Tourismus ist die Stadt zum medial heiß diskutierten
Phänomen geworden. Und doch bleibt der touristische Hotspot ein romantischer Sehnsuchtsort für Millionen, wenn nicht Milliarden Menschen.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurden gemalte oder gedruckte Veduten und kunstgewerbliche Gegenständezu begehrten Souvenirs für adelige und großbürgerliche
Reisende. Gerade auch deutsche Maler:innen des 19. Jahrhunderts hielten die topografische, farbintensive und (prae)impressionistische Atmosphäre der Stadt zwischen Wasser und Himmel fest, die sich auch außerhalb der Lagunenstadt gut vermarkten ließ.

Das Ausstellungsprojekt im Schloss Britz spürt nun der Faszination Venedigs nach. Wer war Käufer:in von repräsentativen Stadtansichten – und warum
fanden die Architekturveduten häufig Einzug in die großbürgerlichen Wohnungen der Gründerzeit? Aus künstlerischer Sicht erweist sich Venedig als besondere Herausforderung: Die Topografie der herrschaftlichen Gebäude, Kirchen, Brücken und Kanäle ist seit Jahrhunderten quasi unverändert geblieben und wurde tausendfach festgehalten. Zwar stellt es immer noch einen großen Reiz dar, dem klassischen Motiv einer urbanen Struktur im Wasser nachzuspüren – zugleich reizt Venedig auch dazu, den tradierten Bildern etwas entgegenzusetzen. Für konzeptionell arbeitende Künstler:innen stellt sich heute die Herausforderung, darauf zu reagieren, dass Globalisierung und internationale Tourismusströme die Identität der Stadt in Frage stellen.

Künstler:innen
Christian Wilhelm Allers (1857–1915)
Stefanie Bürkle (*1966)
Richard Doyle (1824–1883)
Heike Gallmeier (*1972)
Richard von Hagn (1850–1933)
Jakob Zimmermann (*1993)

 

Kuratierung: Dr. Martin Steffens und Rebekka Liebmann

Die Ausstellung wird durch die Unterstützung der Freunde und Förderer Schloss Britz e. V. ermöglicht.

 

// English below

The exhibition on display at Schloss Britz explores the allure of the city of Venice. Selected exhibits from the late 19th century and contemporary perspectives serve to illustrate the universal perception of Venice – somewhere between romantic dream location and sensational over-tourism. Venice is once again – or still – at risk of perishing. This time, however, the city is also threatened by excessive globalised tourism, far-reaching gentrification and rising sea levels. In the discourse surrounding sustainability and soft tourism, the city has become a symbol of a hotly debated phenomenon in the media. And yet there are millions – if not billions – of people who romanticise this tourist hotspot.

By the 18th century, vedute and craft objects had become coveted souvenirs for aristocratic and upper- class travellers. Today, artists frequently Question the impact of globalisation and international tourism on the city’s identity.

 

Curated by: Dr. Martin Steffens and Rebekka Liebmann

The exhibition is made possible through the support of
Freunde und Förderer Schloss Britz e. V.

Zeit:

07. März 2026, 12:00 – 07. Juni 2026, 18:00 Uhr

Ort:

Schloss Britz
Alt-Britz 73
12359 Berlin